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Tilmar Hansen: der Unternehmensgründer im Gespräch
Die NEW YORKER-Erfolgsgeschichte begann vor genau 50 Jahren in Flensburg. Der frischgebackene Abiturient Tilmar Hansen eröffnete gemeinsam mit seinem Freund Michael Simson ein Jeansgeschäft in der drittgrößten Stadt Schleswig-Holsteins. 30 Jahre lang, bis zum Jahr 2001, hat der segelbegeisterte NEW YORKER-Gründer dann die Geschichte des Unternehmens mit begleitet und zusammen mit seinem späteren Partner und heutigen alleinigen geschäftsführenden Gesellschafter Friedrich Knapp den Grundstein für den heutigen Erfolg gelegt. Wir haben Tilmar Hansen nach seinen Erinnerungen an die damalige Zeit gefragt.
Was stand 1971, dem Gründungsjahr von NEW YORKER besonders im Trend?
In den 1970er Jahren war Denim stark im Kommen. Damals waren die Modelle von Wrangler, Lee und Levi's absolut angesagt. Und da das gerade so eine Aufbruchsstimmung war mit den Trends aus den USA, war meine Idee, gleich nach meinem Abitur ein Spezialgeschäft für Jeans zu eröffnen. Es gab damals nämlich noch keinen Laden, wo man Jeans sortiert nach Marken, Größen und Styles kaufen konnte. Angesagt waren Jeans mit Broken Twill-Gewebe oder auch im Used Look. Von den Styles her waren es Bell Bottoms und Jeans mit großem Schlag und auch sehr tief sitzende Low Waist-Hosen. Teilweise sind die Trends ja heute wiederzusehen.
Die erste Hose, die ich verkauft habe, war übrigens eine dunkelblaue Levi's Cord-Hose in der Größe 32/34.
 
Du hast NEW YORKER gegründet und 30 Jahre lang mit begleitet. Deine schönste Erinnerung aus dieser Zeit?
Ich erinnere mich immer gerne an die Neueröffnungen. Es war jedes Mal spannend: Wird der Standort laufen? Wie werden die Waren angenommen? Neue Standorte anzumieten war auch nicht einfach, man war vorsichtig. Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hatten wir immer großes Glück – alte Mitarbeiter haben die Neuen stets mit dem einmaligen NEW YORKER-Spirit begeistert. Wenn dann die Sonderangebote abverkauft wurden und sich lange Schlangen vor dem Laden bildeten, fiel mir immer ein Stein vom Herzen. Auch die erste Eröffnung in den damals neuen Bundesländern, in Dresden, hat mich völlig umgehauen und wirkt bis heute noch nach – solch ein toller Moment!
 
Kannst Du uns beschreiben, wie der erste Store in Flensburg ausgesehen hat?
So ein Konzept, wie wir es hatten, gab es 1971 noch nicht. Zu der Zeit gab es vor allem inhabergeführte Läden mit Mode für die ganze Familie, wie sie auch unsere damaligen Mitbewerber wie z.B. das Modehaus Thomsen im Angebot hatten. Wir Jeanser waren geradezu revolutionär. 
 Unseren ersten Store haben wir in einer ehemaligen Kohlenhandlung eröffnet, als dieser Betrieb an den Stadtrand zog und die Straße zur Fußgängerzone wurde. Der hieß einfach „Jeans Shop Number One“ und wir haben auf 20 Quadratmetern nur Jeans verkauft. Das Ladendesign war in Blau-Gelb gehalten und im Western-Style ausgestattet. Der Boden war ein Natur-Kokosfaser-Boden – da waren wir damals schon nachhaltig ;-) Eine Warenwirtschaft, wie wir sie heute kennen, hatten wir damals noch nicht. Die Kasse hatte eine Drehkurbel, und die täglichen Abverkäufe wurden per Strichliste geführt. So war das am 23. November 1971, als wir eröffnet haben.
Von Flensburg aus haben wir das dann filialisiert. An dieser Stelle möchte ich noch ein großes Lob an die damaligen Mitarbeiterinnen richten – es waren ja fast nur modebegeisterte Mädchen, auch da waren wir vor 50 Jahren schon mit Blick auf die heutige Zeit schon fortschrittlich. Und wir hatten eine flache Hierarchie. Bei den anderen waren die Chefs diejenigen in den dunkelblauen Anzügen. Wir trugen alle die gleichen Klamotten. Alle waren voller Freude und Begeisterungsfähigkeit! Damals war übrigens jeder noch für alles zuständig, von der Annahme der Paketberge bis zur Warenpräsentation und dem Verkauf. Auch die Inventur erfolgte seinerzeit noch per Hand. Erst in den 1980er Jahren wurde die Warenwirtschaft durch EDV unterstützt. Als Friedrich zu uns stieß, war er mit seinem modischen und kaufmännischen Gespür der Zeit voraus. Er hatte auch schon eine richtige Ausbildung im Textileinzelhandel. Zu dem Zeitpunkt war es üblich, sich auf die vom Hersteller kalkulierten Preise zu verlassen. Wir haben dann angefangen, die Penner rauszureduzieren und die Renner richtig zu kalkulieren. Die Frage lautete seitdem: „Was ist der Kunde bereit, zu zahlen?” Wir haben auch als einer der ersten den „Sale” quasi eingeführt; vorher gab es diese Art der Abverkäufe ja noch gar nicht. Damit, rechtzeitig zu reduzieren und die Margen festzulegen, hatten wir einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Der zweite Laden befand sich dann in einer ehemaligen Lotto-Annahmestelle auf 50 Quadratmetern, und der dritte Laden in Itzehoe, im Einkaufscenter Holstein-Center. Da hatten wir schon 100 Quadratmeter, und ich erinnere mich, die Kabinen waren Schwingtüren wie im Western-Saloon. Nach zehn Filialen in Schleswig-Holstein folgte dann Braunschweig. Mit Friedrich und seiner Fähigkeit, modische Tendenzen vorauszusehen und entsprechend einzukaufen, war es ein großer Fortschritt für unser Unternehmen. In Braunschweig begann dann auch ein neuer Ladenbau – weg von Blau-Gelb als Farbe, in den Filialen war jetzt mehr Holz zu sehen, mehr schwarz und Teppich auf dem Boden. Die Stores wurden wertiger. Und das Logo NEW YORKER prangte fortan auf allen Stores. Auch das Sortiment wurde um neue Themen erweitert; wir wollten weg vom reinen Jeans-Shop, hin zum Young Lifestyle Anbieter mit Mode, Unterwäsche und Accessoires wie Handtaschen oder Schuhen. 
 Es wurden bundesweit immer mehr Standorte eröffnet. So näherten wir uns Schritt für Schritt einer Filialisierung. Entscheidend war jetzt umso mehr, den richtigen Artikel, zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Stückzahl im Laden zu haben. Unsere Mitbewerber waren damals unter anderem Jean Pascale oder Hennes und Mauritz. Bei denen konnte man sehen, wie das mit dem internationalen Einkauf, der EDV-gestützten Warenwirtschaft und der Standortentwicklung gehandhabt wird.
 
Wenn dich jemand vor 50 Jahren gefragt hätte, wo du NEW YORKER in 50 Jahren siehst: Was hättest du geantwortet?
Ich habe nicht eine Sekunde an einen solch fernen Zeitpunkt in der Zukunft gedacht, sondern immer nur an den nächsten Tag, die nächste Filiale, die nächste Saison. Nach einer Eröffnung kam die nächste, nach der Sommersaison der Herbst und der Winter. Es ging immer um die Herausforderungen des nächsten Moments. Da das Know-How, eine bundesweite Warenwirtschaft zu steuern, noch nicht existierte, waren die großen Fragen zu der Zeit: Wie planen wir weiter voraus  und wie bekommen wir die Ware eingesteuert?
Die ersten zehn Jahre waren wir ein regionales Unternehmen und mussten uns gegen viele alteingesessene und inhabergeführte Händler durchsetzen. Wir haben mit unserem Konzept und unseren Innovationen Erfolg gehabt, den konnte man aber nicht vorhersehen. Es war zum Beispiel auch undenkbar einen Laden umzubenennen, wir haben es trotzdem gemacht. Damals hatten wir verhältnismäßig wenig Geld in der Tasche, aber ein hohes Geschäftsrisiko.
 
Was wünschst du NEW YORKER zum Fünfzigsten?
Weiter den NEW YORKER-Spirit am Leben erhalten. Weiter an die Herausforderungen anpassen. Weiter stolz darauf zu sein, tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben, die das Unternehmen tragen. Und gesund wachsen! ­