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NEW YORKER Zeitreise: Eröffnung der ersten Filiale in den neuen Bundesländern vor 30 Jahren
Nach der Maueröffnung im Jahr 1989 zog der langjährige NEW YORKER Mitarbeiter und jetzige Buying Manager, Claus Reese, nach Dresden und war dort als Bereichsleiter für Filialen in Sachsen und Thüringen tätig. In der Zeit war er auch mitverantwortlich für den ersten NEW YORKER Store in den neuen Bundesländern, der 1990 in Dresden aufmachte. Anlässlich des Jubiläums zu 30 Jahren Wiedervereinigung machen wir eine kleine Zeitreise mit dem sympathischen Dänen.
Was ist Deine Erinnerung an diesen besonderen Tag?
Ich erinnere mich noch, als ob es gestern gewesen wäre. Diese Eröffnung war wirklich eindrucksvoll und ein Highlight in meiner langen NEW YORKER Geschichte. Unseren ersten Store in den neuen Bundesländern haben wir in Dresden, im ehemaligen Kurhaus Bühlau am Weißen Hirsch aufgemacht, das war zu DDR-Zeiten ein Tanzlokal. Eine C-Lage mit einem Restaurant im Hinterhof. Wir hatten unsere Waren auf 500 qm Tanzfläche präsentiert. Und dann ging es los. Wir haben einfach aufgemacht und dann fast gar nicht mehr zugemacht. Die Kunden haben uns die Bude eingerannt. Wir hatten jeden Tag auf, auch Sonntag, jeden Morgen so von 9 bis abends um 8, dann war die Ware so gut wie ausverkauft. Wir haben jeden Tag nur große Tüten ausgegeben!
Der LKW mit der neuen Ware kam morgens, wurde geleert und fuhr abends wieder zurück. Und das jeden Tag! Unsere Werbung waren provisorische Flyer und Poster, die wir an der Filiale aufgehängt haben. 
Außerdem haben wir in den angesagten Clubs das Personal eingekleidet und die erste Miss Germanywahl in den neuen Bundesländern ausgestattet. Ein kleines Inserat in der Dresdner Morgenpost, das wir als Stellenanzeige geschaltet hatten, denn wir wollten ja sofort aufmachen.
Deshalb haben wir keinen langen Bewerbungsprozess gemacht, sondern die Interessenten gleich in den Laden geholt. Und wir waren alle überrascht über den Andrang: Plötzlich standen da 100 Personen in der Schlange, Alt und Jung, die alle bei uns anfangen wollten. Ich habe dann die Musik etwas aufgedreht und gesagt: „So wird das hier den ganzen Tag laufen“. Dann sind schon mal einige wieder gegangen. Am Ende hatten wir es wirklich geschafft, nur NEW YORKER-Like Personal einzustellen. Es war alles ein absolutes Erlebnis. Was mich besonders freut, drei von den ersten Mitarbeitern, die ich mit eingestellt habe, sind heute noch da. In der Braunschweiger Zentrale arbeitet Ramona Ullrich, die seit Beginn dabei ist.
Die Eröffnung im Kurhaus Bühlau war echt ein Highlight. Danach haben wir noch die Filialen in der Prager Straße und in der Papstdorfer Straße aufgemacht.

Welches NEW YORKER Outfit lag damals im Trend?
Karottenjeans, das war das Ding. Das waren die 90er. Wir hatten zu dem Zeitpunkt nur Rescue als Jeans-Eigenmarke und dazu hatten wir noch Edwin und Wrangler. Die 90er liegen übrigens gerade, genau wie damals, wieder im Trend. 30 Jahre danach! Jetzt sitzen unsere Designabteilung und der Einkauf wieder an den gleichen Schnitten und Mustern. Levi's 501 haben wir verkauft ohne Ende, und die Edwin „Louisiana“, damals für 100 Mark. Und unsere Rescue-Jeans sind wie warme Semmeln für 69 Mark weggegangen. Dazu noch 5er Packs Tennissocken und 5er Packs Boxershorts. Das gab es da ja alles noch nicht.
Bemusterte Hemden aus Viskose mit Hawaii- und Paisley-Prints lagen damals auch im Trend, wegen MC Hammer und Vanilla Ice – der erste weiße Rapper mit dem Hit „Ice Ice Baby“. Die Musik der 90er hat auch die Mode entscheidend beeinflusst. Ich kann mich auch an Stoffhosen mit Bundfalten erinnern, oder Blousons in Seide – in Bordeaux und in Natur- und Brauntönen. Rollis waren damals auch in – und das ist jetzt alles wieder da! Schuhe hatten wir damals noch nicht und es gab auch noch keine Wäsche für die Frauen, das kam erst im Nachhinein.
Bei den Mädels waren Radlerhosen mit Blumenmustern total angesagt, dazu Microtops. Alles von unserer alten Marke Ragazza, denn Amisu gab es zu der Zeit noch nicht. Ebenso Fishbone, damit sind wir erst 1992 gestartet.
Worauf legten die damaligen Kunden Wert?
Es gab sehr großen Nachholbedarf in den neuen Bundesländern und wir hatten die geilste Mode. NEW YORKER war der erste Jeanser in der Stadt. In der DDR gab es keine so coole Mode. Unsere Aufmachung kam sehr gut an und wir haben den ganzen Tag die aktuellen Charts im Laden gespielt. Das war neu. Wir hatten auch zehn Monitore (noch die alten Röhrenbildschirme) auf der Verkaufsfläche, der absolute Hit war „Thriller“ von Michael Jackson, und die Kunden standen vor den Monitoren und haben gestaunt. Entertainment im Laden, das war es damals schon, worauf es ankam. Wir waren damit einer der ersten.
 
Lieber Claus, vielen Dank für das Gespräch!