Sara Nuru: „Ich wurde oft falsch eingeschätzt“
Nach ihrem Sieg als erste farbige Kandidatin bei "Germany's Next Topmodel" vor zehn Jahren war Sara Nuru auf den Laufstegen dieser Welt zu sehen, Designer rissen sich um das junge Talent. Heute steht die 29-Jährige nur noch für ausgewählte Projekte vor der Kamera, arbeitet ansonsten gemeinsam mit ihrer Schwester für ihre eigene NGO und baute ein Kaffee-Startup auf. NEW YORKER News sprach mit Nuru anlässlich ihres einjährigen Firmenjubiläums über ihr Verhältnis zum Modeln, Gleichberechtigung in der Arbeitswelt und ihre eigene Familienplanung.
Dass Gleich­be­rech­ti­gung nach wie vor alles an­dere als selbst­ver­ständ­lich ist, weiß auch ein so er­folg­rei­ches Model wie Sara Nuru -​ auch, wenn sich zum Glück nie selbst mit ras­sis­ti­schen oder frau­en­feind­li­chen Äu­ße­run­gen aus­ein­an­der­set­zen muss­te. Tat­säch­lich ist in einer Sze­ne, die sich ge­rade in den letz­ten Mo­na­ten in Di­ver­si­tät ver­sucht, echte Viel­falt immer noch die Aus­nah­me: "Ich hatte damit auch dank GNTM nie ein wirk­li­ches Pro­blem, aber ich weiß von vie­len dun­kel­häu­ti­gen und auch asia­ti­schen Kol­le­gin­nen, die auf­grund ihrer Haut­farbe nicht ge­bucht wer­den." Auch wenn sich diese Hal­tung lang­sam wandle und ge­rade die nächste Ge­ne­ra­tion der Su­per­mo­dels durch In­di­vi­dua­li­tät punk­te, gebe es noch viele an­de­ren The­men in der Mo­de­bran­che, an denen ge­ar­bei­tet wer­den müs­se, so Sara.

"Ich wurde oft erstmal falsch eingeschätzt"

Doch nicht nur die Optik ist Thema in der Bran­che, auch klas­si­sches Schub­la­den­den­ken ge­hört zum Mo­del-​All­tag: "Ich wurde in der Ver­gan­gen­heit häu­fig erst­mal falsch ein­ge­schätzt", er­zählt die 29-​Jäh­ri­ge. Ihre Rolle als Busi­ness­frau habe heute auch ihr Ver­hal­ten in der Kom­mu­ni­ka­tion mit den Mar­ken ver­än­dert, die sie en­ga­gie­ren wol­len: "Die Men­schen sind oft über­rascht: Ich weiß, was ich möch­te, und ich sage es auch. Es ge­fällt auch den Brands, wenn je­mand mit­denk­t."
 

Ein Jahr Unternehmerin

Tat­säch­lich ist das Mo­deln nur noch ein Teil von Saras Le­ben, be­ruf­lich ist sie breit auf­ge­stellt: Seit mitt­ler­weile einem Jahr wid­met sie sich ge­mein­sam mit ihrer Schwes­ter ihrem ei­ge­nen Busi­ness, auch wenn sie nie BWL stu­diert hat. Ihr Ziel: Mit Nuru­Cof­fee das Ur­sprungs­land des Kaf­fees un­ter­stüt­zen und auf Au­gen­höhe mit den Men­schen vor Ort zu­sam­men­ar­bei­ten. Die Ein­künfte aus dem Kaf­fee­han­del un­ter­stüt­zen das zweite Un­ter­neh­men der Schwes­tern, die Or­ga­ni­sa­tion Nuru­Wo­men, die Frauen mit Mi­kro­kre­di­ten un­ter­stützt. Längst ver­schif­fen die Schwes­tern ihren ei­ge­nen Fair-​Trade-​Kaf­fee nach Deutsch­land, für ihr Her­zen­spro­jekt Nuru­Cof­fee hat Sara das schnell­le­bige Mo­del-​Le­ben gegen einen klas­si­schen Nine-​to Five-​Job ge­tauscht. "Die­ser Er­fah­rung und die neue Rolle als Un­ter­neh­me­rin haben mich per­sön­lich wach­sen las­sen", re­sü­miert sie nach dem ers­ten Jahr.
 

Das eigene Business ist ihr Baby

"Ich fühle mich wie eine Mut­ter... Nuru­cof­fee ist mein Ba­by", sagt Sara. Neben der be­ruf­li­chen Er­fül­lung steht für sie aber auch das pri­vate Glück ganz oben: "Am Ende sind es die Fa­mi­lie und die Freund­schaf­ten, die zäh­len. Frü­her oder spä­ter möchte ich auch eine Fa­mi­lie grün­den." Pri­vat sei Sara, die an­geb­lich mit ihrem Freund in Ber­lin lebt, sehr glück­lich: "Ich möchte auf jeden Fall Kin­der be­kom­men, aber mo­men­tan steht das Wachs­tum mit dem Un­ter­neh­men im Vor­der­grun­d." Nur im Fall, dass ihre Schwes­ter Sali, mit der sie eng zu­sam­men ar­bei­tet, in der Fa­mi­li­en­pla­nung vor­le­ge, wolle sie schnell nach­zie­hen...
 

„Ich hatte keine Lust mehr auf den Model-Job allein“

In­zwi­schen be­schäf­ti­gen die bei­den Frauen im Ber­li­ner Büro einen Werk­stu­den­ten und zwei Prak­ti­kan­ten -​ Ten­denz stei­gend. Das Un­ter­neh­mer­tum kam zu einem Zeit­punkt, an dem das Mo­deln ihr nicht mehr die Be­frie­di­gung gab wie zu Be­ginn ihrer Kar­rie­re. Das sieht in­zwi­schen ganz an­ders aus: "Mitt­ler­weile ge­nieße ich jedes Shoo­ting!"
 

Drei Tipps für junge Gründerinnen

Sara schätzt die Ab­wechs­lung zwi­schen ihrem Bü­ro­job und auf­re­gen­den Mo­del-​En­ga­ge­ments. Jun­gen Frauen emp­fiehlt sie, bei der Un­ter­neh­mens­grün­dung immer ehr­lich zu sich zu sein: "Es ist wich­tig, sich klarzu­ma­chen, dass man nicht alles kann. Seine Stär­ken -​ und Schwä­chen -​ zu ken­nen, ist dabei es­sen­ti­ell", so die junge Un­ter­neh­me­rin. Sich früh Hilfe für jene Dinge zu ho­len, die man selbst nicht kann, sei wich­tig und habe nichts mit Schwä­che zu tun, im Ge­gen­teil: Man sollte sich Men­to­ren su­chen, denn sich zu ver­net­zen und Syn­er­gien zu schaf­fen, sei das wich­tigs­te. "Ich habe es selbst in einem Rat­ge­ber ge­le­sen und kann es jedem nur emp­feh­len: Rede über deine Idee, hab keine Angst dass sie ge­klaut wird". Man wisse schließ­lich nie, wen man trifft -​ es könnte ja auch ein zu­künf­ti­ger In­ves­tor sein.