Disc Golf
Vielleicht hast du schon mal einen dieser komisch aussehenden Mülleimer im Park gesehen und dich gefragt, was das sein soll. Das ist allerdings kein Mülleimer, sondern ein Wurfziel. „Ein Wurfziel für was“ fragst du dich jetzt? Na, ein Wurfziel für Disc Golfer. Der sich „nerdy“ anhörende Sport mit der gleitenden Hartgummischeibe erfreut sich seit einigen Jahren immer mehr Beliebtheit im Breitensport. NEW YORKER News erklärt, was dahintersteckt.
Mittlerweile gibt es bereits zwei schön angelegte Kurse alleine in Braunschweig mit jeweils 15 und 18 Bahnen. 
 
Wer so möchte, kann Disc Golf als kostengünstige Variante zum regulären Golfsport bezeichnen, denn nicht nur das Spielprinzip ähnelt sich stark, auch die Auswahl des Equipments ist gleich. 
 
Das Ziel ist es, einen Kurs von meist 18 Bahnen in so wenigen Wurf-Versuchen zu absolvieren, wie möglich. Dazu gibt es für jede Situation einen anderen Schläger bzw. hier: eine andere Disc.
Im Vergleich zu einem Golfschläger-Set, welches mit Kosten ab ca. 650 € zu Buche schlägt, kannst du ein Disc-Set, bestehend aus drei verschiedenen Discs, jedoch bereits ab 30,- € bekommen. Natürlich gilt bei beiden Varianten die Regel: Nach oben hin ist alles offen. 
Aber, um ein Disc Set im Wert von 650 € in der Tasche zu tragen, benötigst du schon viele Discs. Sehr. Viele. Discs.
 
Da die Disc Golf Kurse meist in öffentlichen Parks aufgebaut sind, musst du dich für das Spielen auf Disc-Golf Kursen außerdem in keinem Club anmelden, wie es beim Golf der Fall ist. Clubgebühren in Höhe mehrerer Hundert oder Tausend Euro entfallen hiermit ebenso.
 
Der Sport eignet sich übrigens besonders für Einsteiger. Wieso? Weil er eine steile Lernkurve bietet. Im Gegensatz zum Golf-Sport, wo man als Laie schnell mal von 100 Schlägen 95 am Ball vorbeizimmert, fliegt die Disc tatsächlich bei jedem Wurf. Sie fliegt anfangs zwar nicht immer genau dorthin, wo man sie hinhaben möchte, aber auch das Problem legt sich bereits nach 2-3 Disc Golf Einheiten. Disc Golf ist also ein Sport, der relativ schnell anfängt Spaß zu machen.
 
Jetzt weißt du auf jeden Fall schon mal, dass Disc Golf grob etwas mit dem Golf-Sport zu tun hat und im Vergleich dazu eine deutlich schnellere Lern- und Erfolgsquote bietet. 
 
Aber was genau ist Disc Golf? Wie wird es gespielt? Ist es wirklich „Sport“ und für wen eignet es sich?
 
Fragen über Fragen. Fangen wir erst mal ganz oben an.
Wie beim Golf hast du einen Kurs von meist 18 Löchern/Bahnen. Es gibt eine festgelegte Abwurfzone, wie das „Abschlag-Tee“ im Golf. Von der im Disc Golf genannten „Box“ wirfst du deine Disc in Richtung Mülleimer. Der Mülleimer heißt ab jetzt „Basket“, also „Korb“. Von dem Pu­­nkt, an dem deine Abwurf-Disc landet, machst du deinen zweiten Wurf, um noch näher an den Korb zu gelangen. Je weniger Würfe du brauchst, um deine Disc im Korb zu versenken, umso besser.
 
Wie viele Würfe kann man da schon brauchen? 
 
Wie beim Golf, gibt das „Par“ die durchschnittliche Anzahl an Würfen an, die man für die vorliegende Bahn benötigen sollte. Die meisten Bahnen sind eigentlich ein Par 3. Das heißt also, dass man seine Disc mit drei Würfen im Korb versenken sollte. Spielt man alle Bahnen genau Par, also in genau der vorgegebenen Anzahl von Würfen, ist dein Endergebnis Null (0). Kein Wurf drüber, kein Wurf drunter. Genau Schnitt. Die untenstehende Tabelle (8 Bahnen Beispiel) verdeutlicht das etwas mehr.
Im Beispiel der Tabelle sind alle Bahnen ein Par 3. An Bahn 3, 4, 6 und 8 wurden mehr Würfe benötigt, als die Bahn vorgibt. Diese Differenz an Würfen wird am Ende zusammengerechnet. Der Spieler hat den Kurs mit einem Ergebnis von +5, also 5 Würfen über Par beendet.
Dein Ergebnis kann natürlich auch ins Negative gehen (unter Null), wenn du weniger Würfe benötigst, als vorgegeben.
Da der Spieler mit den wenigsten Würfen gewinnt, ist ein Ergebnis unter Null immer besser als eines über Null.
 
Auf einem Kurs mit 18 Bahnen und allen Bahnen als Par 3, wirfst du deine Discs also im Schnitt schon 54 mal.
 
54 Wiederholungen von ein und derselben Bewegung ist anstrengender als man denkt. 
 
Aber wie Anstrengend ist das wirklich?
 
Vorweg eins: Wie in jeder körperlichen Ertüchtigung wird sich dein Körper im Laufe der Zeit über eine verbesserte muskuläre Koordination durch abertausende an Wiederholungen an die Belastung gewöhnen und die Leistungsfähigkeit wird steigen. Eine ausgefeilte Technik wird es dir erleichtern, deine Disc öfter weiter zu werfen, ohne körperlich zu Ermüden.
Manche Profis sind der Ansicht, der allgemeine Technikgedanke spiele keine Rolle. Viel wichtiger sei es stattdessen, möglichst weite Distanzen pro Wurf zurückzulegen. Die Technik des „Full Rip“ wird in professionellen Kreisen auch als „Full Yeet“ oder „Yeeting“ bezeichnet. Beim Yeeting wird alle Kraft in den Wurf gelegt, wobei es besonders schwierig ist, ein genaues Ziel anzupeilen. In diesem Fall ist eine absolut reine Technik essenziell für einen erfolgreichen Yeet.
Die körperlichen Belastungen des Disc Golf
 
Disc Golf ist ein Sport, der dich körperlich und geistig extrem fordern kann, wenn du ihn ernsthaft betreibst. Eine solide körperliche Grundfitness ist dabei von Vorteil, aber definitiv kein Spielkriterium.
 
Während einer gesamten Runde auf einem Disc Golf Kurs legst du mal schnell zwischen 5 – 8km Strecke und bis zu 8.000 Schritte zurück, meist auf unebenem Terrain, je nach Kurs mit kleineren „Bergpassagen“. Dabei hängst du nicht selten zwischen Ästen und Büschen in etwas ungewöhnlichen Wurfpositionen, da du deine Disc von genau dem Punkt werfen musst, wo sie liegen geblieben ist. Wenn das im Gebüsch ist, dann ist das im Gebüsch.
Die Bewegungsintensität beim Disc Golf lässt sich mit einer zügigen Parkwanderung vergleichen. Ein gelenkschonender Spaziergang in zügigem Tempo, bei dem so mancher Stock und Stein überquert und erklommen wird. 
 
Durch die kraftvollen Wurfbewegungen wird auch deine Muskulatur beansprucht. Die Wurfbewegungen unterscheiden sich in zwei grundsätzlichen Arten. Der klassische Rückhandwurf, wie auch der eher ungewöhnlichere Vorhandwurf.
 
Beim reinen Rückhandwurf arbeitet der Körper mit einer vergleichsweise kleineren Muskulatur als beim Vorhandwurf. 
 
Die hintere Schulter, die Außenrotatoren der Schulter, die Rhomboiden und der Trapezius sind im Vergleich zu ihren Bewegungsgegenspielern beim Vorhandwurf deutlich kleiner und schwächer. Um nun diese muskuläre Schwäche zu kompensieren und die Disc trotzdem weit werfen zu können, arbeitet deine Core-Muskulatur umso mehr mit. Dein kompletter Torso, inklusive seitlicher und schräger Bauchmuskulatur, Latissimus, Rückenstrecker und viereckigem Lendenmuskel arbeiten aktiv bei der Kraftentwicklung des Rückhandwurfes mit, indem du hier aus einer vollen 180° Rotation wirfst.
 
Du hast Rückenprobleme und musst mit Wirbelsäulen-Rotationsbewegungen aufpassen?  Kein Problem. Wirf doch einfach Vorhand.
 
Beim Vorhandwurf reduziert sich die Rotationsbelastung deines Cores und damit die Dreh- & Scherkräfte auf deine Wirbelsäule erheblich, da deine Brustmuskulatur, vordere Schulter und die Innenrotatoren der Schulter deutlich mehr Kraft aufwenden können. Dein Core selbst stabilisiert dich währenddessen, trägt aber weniger zur eigentlichen Krafterzeugung bei.
 
Mit einer angenehmen Runde Disc Golf im Park kannst du laut discgolfnow.com in etwa zwischen 400 – 500 Kcal verbrennen. Das ist in etwa so viel wie bei einer Stunde Jogging. 
 
Der Vorteil: Disc Golf ist erheblich gelenkschonender als Jogging. Du denkst du musst joggen, um fit zu werden? Du musst viel mehr fit sein, um zu joggen. Die stetigen Erschütterungen bei jedem Laufschritt belasten deine Gelenke so stark, dass Patella- & Achillessehnen- und/oder Knie- & Hüftverletzungen auftreten können, sollte deine Muskulatur den Belastungen auf Dauer nicht standhalten können.
 
Apropos Vorteile: Gerade in Zeiten des Social Distancings eignet sich Disc Golf hervorragend, da du mit Sicherheit keinen deiner Freunde davon überzeugen kannst, diesen „Nerd-Sport“ mitzumachen und du sowieso immer alleine spielst. 

Spaß bei Seite! Selbst in einer Gruppe von 8 Personen oder mehr lässt sich beim Disc Golf immer der erforderliche Mindestabstand halten, da im Grunde zwar jeder gegen jeden spielt, aber dennoch jeder für sich. Es gibt keinen Körperkontakt, wie beim z.B. beim Ultimate Frisbee oder Fußball.
 
Fazit:
Disc Golf erfreut sich Bundesweit und über die Grenzen der Welt hinaus immer mehr Beliebtheit. Durch seine steile Lernkurve eignet er sich besonders als Freizeitsport für diejenigen, die gerne an der frischen Luft sind und mehr wollen, als einen langweiligen Spaziergang im Park. Zwischen 5 – 8 km zurückgelegter Distanz pro gespielter Runde und körperlichem Engagement im kompletten Rumpfbereich lassen sich damit in etwa so viele Kalorien verbrennen, wie bei einem ausgiebigen Sommerlauf. 
Wenn du Disc Golf also noch nicht probiert hast, aber jetzt komplett angefixt bist, dann bist du mit einer Einstiegsinvestition von ca. 30,- € für ein Starter-Disc-Golf-Set dabei und kannst im nächst gelegenen Disc Golf Kurs dein Können testen.
 
Glaub mir, es lohnt sich!